Conférence Susanne Reiterer

Jeudi, 21 mai 2015, Institut de plurilinguisme, 17.15 - 18.45, Salle K0.02

"Mezzofantis Geheimnis: Aussprachebegabung - von der Hirnforschung zum Verhalten."
Conférence de Prof. Susanne Reiterer, Université de Vienne, A

Flyer

Résumé:

Die Fähigkeit, in Fremdsprachen zu kommunizieren, wird zunehmend wichtiger. Das Bedeutende dabei ist, dass nicht jeder Mensch Sprachen auf gleiche Weise lernt, weder mit derselben Schnelligkeit, noch auf demselben Sprachniveau. Starke individuelle Variation in den Teilbereichen der Sprache (Phonetik, Semantik, Syntax, Pragmatik) kennzeichnen vor allem den Spracherwerb bei Erwachsenen – ein bislang ungeklärtes Terrain. Sehr wahrscheinlich multikausal in seiner Ätiologie, liegen dem Phänomen biologische, psychologische, kognitive und soziale Bedingungen zugrunde. Ein Mangel an Übungsmöglichkeiten gepaart mit individuell unterschiedlicher Sprachbegabung charakterisiert das typische Lernszenario des „late learners“. Es wird jedoch auch immer klarer, dass mehr „späte Lerner“ als ursprünglich angenommen muttersprachliches Niveau erreichen können.
In meiner bisherigen Forschung habe ich interdisziplinär versucht, die Methoden und Erkenntnisse der kognitiven Neurowissenschaften mit jenen der Zweitspracherwerbsforschung zu verknüpfen. Der zentrale Fokus der Arbeit liegt auf den bisher erarbeiteten Forschungsergebnissen über Unterschiede in der Aussprachebegabung und ihren neuronalen, kognitiven und psychologischen Korrelaten. Womit hängt gute oder schlechte Aussprache zusammen? Sind eher psychologische Konstrukte wie Arbeitsgedächtnis, Persönlichkeit, Musikalität oder neurophysiologische Korrelate (wie zum Beispiel graue oder weiße Substanzdichte, Faserbahnverbindungen zwischen bestimmten Spracharealen) bestimmend? Wir untersuchten diese Fragen in einem heuristischen Ansatz an 138 deutschen Muttersprachlern mit einer Bandbreite von linguistischen, psychologischen und neuronalen Testverfahren (Magnetresonanztomographie, fMRI, DTI) und versuchten, die Grundlagen der Aussprachebegabung neu zu durchleuchten.